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Carrier-Wechsel in Hamburg

LPC Nord zündet die nächste Stufe



v.l. Clemens Bollinger, Andreas W. Schulz, Lutz Buchmann, Cord Schellenberg. Foto Dagmar Gehm


Mit dem gemeinsamen Singen von „Oh Tannenbaum“, einem jahrzehntelangen und wohl einmaligen Ritual bei einem Presseclub, schlossen Gastgeber und Gäste am 8. Dezember musikalisch nicht nur ein turbulentes Jahr, sondern auch einen besonders denkwürdigen Abend beim LPC Nord ab.


Zum letzten Mal bat Cord Schellenberg in seiner langjährigen Funktion als Regionalkreisleiter zum vorweihnachtlichen Get-together, diesmal im Grand Elysée Hotel, traditionell mit dem Hamburg Airport als Gast. Flughafenchef Michael Eggenschwiler verkündete spannende News wie die gestiegene Passagierzahl, neue und mehr Strecken im Sommerflugplan 2023, aber auch teurere Flüge.


Über 10 Millionen Passagiere konnte der Hamburg Airport 2022 wieder verzeichnen, 40 – 50.000 pro Tag. Damit haben sich die Fluggastzahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Durch fehlende Arbeitskräfte, Krisen und Krieg sei die Planbarkeit an allen europäischen Flughäfen jedoch nicht besser geworden und stellt auch das Unternehmen vor große Herausforderungen, schließlich werden 2023 rund 13,8 Millionen Passagiere erwartet. Das Minus werde um 50 bis 60 Millionen Euro geringer ausfallen als 2021. Für das noch laufende Jahr rechnet Eggenschwiler mit einem Verlust von unter 40 Millionen Euro. Rund elf Millionen Passagiere 2022 bedeuten ein Plus von 100 Prozent zu 2021 und ein Minus von 35 Prozent zu 2019.


Auf Fakten und Zahlen folgte die Staffelübergabe der LPC Nord-Leitung von Cord Schellenberg an Andreas W. Schulz. Vorstand Lutz Buchmann, der aus Berlin angereist war, übergab beiden einen Strauß, der so bunt war wie all die Veranstaltungen, die der Club im Laufe der Jahre geboten hat. Buchmann hob Cord Schellenbergs lange und erfolgreiche Arbeit im „mit Abstand aktivsten Regionalkreis Deutschlands“ heraus, die sich auch im zentralen Vorstand geäußert habe. Ebenfalls extra angereist war Präsident a.D. Clemens Bollinger, der den „Nordlichtern“ im LPC seit jeher eng verbunden ist.


Große Fußstapfen also, die Andreas W. Schulz jetzt ausfüllen muss. Und das nicht nur, was die tatsächliche Schuhnummer betrifft: Schellenberg 44, Schulz 42. „Ich werde mich bemühen, dass meine Füße auch mal einen markanten Abdruck hinterlassen“, so der Nachfolger, der wie jeder „Neue“ auch neue Pläne hegt. Als Mitglied ist Schulz schon seit 2012 dabei, hat zusammen mit Cord Schellenberg und Wolfgang Duveneck Veranstaltungen geplant und organisiert. „In Zukunft möchte ich die Mitglieder stärker in die Planung mit einbinden. Außerdem wollen wir uns noch mehr nach außen öffnen, neue Mitglieder auch dadurch gewinnen, indem wir nicht Luftfahrt-affine Kolleginnen und Kollegen mal reinschnuppern lassen. Gern möchte ich auch Hamburg Airport mit einbeziehen, zum Beispiel mit dem Thema: „Wie akquiriert ein Flughafen Airlines.“ Am Zeitgeist will Schulz sich orientieren, indem er interessante Veranstaltungen auch streamt und damit ein größeres Publikum anspricht.


Andreas W. Schulz weiß, wovon er spricht, schließlich kann er auf viele Berufsjahre im Bereich Luftfahrt zurückblicken. Angefangen bei Lufthansa Cargo, fortgesetzt bei British Airways, wo er im Passagebereich im Einsatz war und die Kundendatenbank für Concorde-Reisende aufbaute. Gefolgt von Tätigkeiten bei Qantas, KLM, Buzz und Air Berlin. Schon in der Studienzeit an der Uni Hamburg belegte er Kurse in Journalistik, schrieb später Artikel für Fachmedien. Noch heute arbeitet er als Freelancer z.B. für Business Travel.


Der Kapitän übergibt nun das Ruder und weiß das Ehrenamt in professionellen Händen. Drei Jahrzehnte war der Luftfahrtexperte die Geschicke des LPC Nord, schon Anfang der 90er, als Karl Morgenstern die Vereinigung ins Leben gerufen hatte, die damals mit Bier und Buletten eher einem Stammtisch als einem Presseclub glich.


„Ich war damals für die Öffentlichkeitsarbeit von Hamburg Airlines, die dem Hamburger Unternehmer Eugen Block gehörte, verantwortlich. Karl Morgenstern bat mich, ihn bei der Administration zu unterstützen, zu der auch das Versenden von Einladungen an Gäste und Mitglieder gehörte. Im Norden gehen sie inzwischen an rund 80 Adressen, auch wird immer bundesweit eingeladen. Aus dem gemütlichen Beginn entwickelte sich bald ein florierender Regionalkreis, der sich jeden zweiten Donnerstag im Monat - bis zu 12 mal im Jahr – traf. Schnell bildeten Karl und ich ein Tandem.“


Die Liste der Airliners war illuster. Nur wenige Körbe handelte Cord Schellenberg sich ein. Zum Glück hatte er nicht zuletzt durch seine berufliche Tätigkeit engmaschiges Netzwerk geknüpft, griff gern auch auf die Netzwerke von Mitgliedern zurück, übersprang bei hartnäckigen Absagern schon mal die Pressestellen und steuerte stattdessen die Airline-Manager direkt an.


„Auch heute Abend haben wir mit Michael Eggenschwiler einen Gast, der nicht nur gern selbst kommt, sondern gern auch als Vermittler fungiert“, verrät der Mann aus fast der ersten Stunde. „So haben wir von ihm mal den Hinweis erhalten, die LH-Pressestelle zu informieren, dass ein hochrangiger Lufthanseat bereits die direkte Zusage erteilt hatte, als Referent an unserer Veranstaltung teilzunehmen.“


Wichtig war dem heutigen Inhaber einer PR-Agentur, dass der LPC Niederschlag in der Presselandschaft fand, dass abwechselnd Themen angeboten werden, die sowohl für die Fach- als auch für die Publikumspresse interessant sind. „Wir hatten auch technisch denkende Gesprächspartner, die mit 50 Seiten Präsentation angereist sind, das hat immer Übersetzungsarbeit bedurft. Viel Spaß bereiteten mir greifbare Themen wie Hamburgs Polizei-Hubschrauberstaffel.“ Auch an die lustigste Begebenheit erinnert er sich gern: „Das war ein Abend mit dem ehemaligen CEO von Turkish Airlines, Dr. Kemel Kotil. Es gab zwei Probleme: Er wollte noch nachts von Berlin Schönefeld nach Istanbul zurückfliegen. Das mussten wir so organisieren, dass er pünktlich von Hamburg nach Berlin kommt, um seinen Flug zu kriegen. Der zweite wichtige Punkt war Ramadan. Wir durften also erst nach Sonnenuntergang essen, erwünscht war ein türkisches Büffet, mundgerecht für den Chef zubereitet. Lustig waren auch die anwesenden Deutschland-Direktoren von Turkish Airlines, die ganz vorn saßen und ihrem Chef bei jeder sich bietenden Gelegenheit applaudierten.“


Mit Lockerheit einerseits und fundiertem Fachwissen andererseits trägt der LPC Nord heute Cord Schellenbergs Handschrift. „Mit Berlin gab es, was die Aktivitäten anbelangt, die ersten 10 Jahre ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dann kam die Rückmeldung: ,Ihr seid wahnsinnig umtriebig – wir auch. Der einzige Unterschied: In Hamburg gibt es immer etwas zu essen.‘


In ein schwarzes Loch wird der scheidende Vorsitzende jetzt nicht fallen: „Ich finde Luft- und Raumfahrt faszinierend. Das bleibt. Ich freue mich genauso darauf, als Mitglied und Gast zu einer Veranstaltung zu kommen und zu genießen, was Andreas an interessantem Programm ausgearbeitet hat. Er zieht jetzt die Fäden. Ich helfe und unterstütze gern.“ Vielleicht motiviert er dank seines großen Netzwerks immer noch den einen oder anderen Airline-Manager, den LPC Nord in Hamburg anzusteuern. Gern auch mit himmlischen Genüssen.


Dagmar Gehm (LPC-Mitglied)


PS.: Den verzögerten Upload bitten wir zu entschuldigen.

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